Von der Zoo- zur Wildlife-Fotografie – Teil 2

Verhaltensweisen

Bei meinem letzten Blog Beitrag habe ich euch einen ersten Einblick über die Zoofotografie gegeben. Dabei habe ich ein paar Vergleiche mit der Wildlife-Fotografie gemacht. In diesem Blog-Beitrag zeige ich euch ein paar Tipps über das Verhalten der Tiere und die optimale Zeit. Dies beruht auf meinen persönlichen Erfahrungen.

Vieles werdet ihr auch später in der Wildlife-Fotografie anwenden können.

Verhalten der Tiere

Wenn man das erste Mal für die Fotografie einen Zoo besucht, sollte man sich auf alle Fälle Zeit nehmen. Denn nur weil „ich“ jetzt am Gehege stehe bzw. vorbei gehe, heißt das nicht, dass sich das Tier in diesem Moment extra für mich positioniert und modelt.
Natürlich gehört auch eine gehörige Portion Glück dazu, damit sich der perfekte Schnappschuss ergibt, auf den andere Fotografen schon ganze Zeit darauf warten.

Genauso wie wir Menschen haben die Tiere eigene Charaktere und einen eigenen Rhythmus. Dies ist von Tier zu Tier und selbstverständlich auch von Art zu Art unterschiedlich. So gibt es auch im Zoo Tiere die lebensfroh, neugierig und auch schüchtern sind. Ebenso haben die Tiere auch von Tag zu Tag unterschiedliche Launen. Dies merkt man umso mehr, wenn man öfters ein und denselben Zoo besucht und die Tiere immer wieder beobachtet.  Auch für die Tierart typischen Urinstinkte kommen immer wieder zum Vorschein.

Zoo Schmiding – Gorilla

Beispiele, die ich bei meinen Zoo-Besuchen immer wieder erlebe:

  • Die Gorillas im Zoo Schmiding haben immer ihre Decke dabei. Wobei sich einer dieser Gruppe die Decke gerne mal auf den Kopf legt. Der andere bereitet seine Decke wie eine Picknick-Decke aus, bevor er sich auf diese setzt. Ebenso möchte einer von denen immer der Chef der Gruppe sein. So gibt es immer wieder Demonstrationen der eignen Stärke.
  • Kattas und Totenkopfäffchen sind immer wieder sehr neugierig, wenn man am Gehege vorbei geht.
  • Viele der Greifvögel sitzen meistens auf sehr hohen Punkten im Gehege.
  • Obwohl grundsätzlich keine Gefahr in den Zoos besteht, sieht man bei Erdmännchen – egal in welchem Zoo – immer einen, der auf einer Aussichtsposition sitzt und alles beobachtet. Genauso wie in der Wüste.

Somit gilt es erstmal die speziellen Verhalten und Charaktere festzustellen. Es schadet also nicht den Zoo öfters zu besuchen. Zum Beispiel:

  • Wo setzt sich das Tier hin, wenn der Pfleger mit Futter kommt? Bzw. wann ist die Fütterungszeit allgemein? Handelt es sich um öffentliche Fütterungen, so ist dies auf den diversen Internet-Auftritten der Zoos nachzulesen.
  • Hat das Tier einen Lieblingsplatz? Wenn ja, wann wird es diesen aufsuchen?
  • Haben die Tiere spezielle Ruhezeiten?
  • Hat das Tier ein oder mehrere Lieblingsplätze? Hier können die Fotos anderer Fotografen in den Social Media Plattformen helfen. Das heißt, sieht man darauf die Tiere immer am selben Platz?
  • Wenn es im Gehege herumspaziert, wie sind die Wege und sind es immer dieselben?
  • Gibt es Zeiten (Vormittag oder Nachmittag) wo das Tier am Aktivisten ist?

 

Was ist die Beste Zeit?

Wann die Beste Zeit für den Zoobesuch ist, kann man nicht pauschal beantworten. Denn es kommt auch auf den Zoo darauf an wie die Gehege der Tiere gebaut sind. Das heißt, liegt das Gehege so, dass am Vormittag oder am Nachmittag die Sonne darauf scheint? Oder ist das Gehege den ganzen Tag über im Schatten oder in der Sonne?

Zoo Salzburg – Erdhörnchen / Präriehund / Cynomys

Aber bei meinen Besuchen habe ich für mich folgendes festgestellt:

  • Viele Tiere sind aktiv, kurz bevor oder kurz nachdem diese von den Pflegern ihr Futter bekommen haben bzw. diese noch darauf warten.
  • So wie wir Menschen ziehen sich die Tiere bei Hitze zurück. Das heißt an heißen Tagen, ist sicher eher der Vormittag oder der späte Nachmittag bis Abend interessant zu fotografieren
  • Des Weiteren konnte ich an Tagen wo wenige Besucher anwesend oft bessere Fotos machen, als an Tagen wo sehr viel los war. Bei letzterem merkte man manchen Tieren eine gewisse Unruhe an.

Möchte man erreichen, dass die Tiere auf dem Bild ein Glitzern im Auge haben, so muss die Sonne hinter einem sein. Danach sind schöne Reflexion zu sehen. Natürlich sollte das Tier auch in die Richtung des Fotografen schauen.

Was aber für jedes Gebiet der Fotografie gilt, ist, dass es besser ist, nicht in der Mittagssonne zu fotografieren. Das Licht ist einfach am Vormittag oder am (späten) Nachmittag am Schönsten. Dann ist es schön weich und nicht so hart wie bei der Mittagssonne.

 

Wie soll man das Tier fotografieren?

Um ein tolles Tierbild zu erstellen, ist es zuerst mal wichtig auf einen homogenen Hintergrund zu achten. Das heißt, es sollte nichts im Bild sein, dass vom Hauptmotiv – also dem Tier – ablenkt oder unruhig wirkt.

Auch wenn es zum Beispiel bedeutet zu knien, ist es vorteilhaft das Tier immer auf Augenhöhe zu fotografieren. Wenn kein bestimmter Effekt oder eine bestimmte Emotion (z.B. Beschützerinstinkt) vermittelt oder geweckt werden soll, dann ist ein „von unten/oben herab-Bild“ zu vermeiden. Um dies zu erreichen, reicht es oftmals einfach den eigenen Standpunkt zu ändern.

Alle allgemeinen „Regeln“ der Fotografie, die in jeder Literatur zu finden sind, können auch in der Tierfotografie Anwendung finden (z.b. Drittelregel).

Die Praxis zeigt, dass es leider nicht immer möglich ist ein Foto so zu gestalten wie es die Theorie vorschreibt. Das heißt, entweder setzt sich das Tier nicht so hin, wie man es gerne hätte oder auch das Gehege ist nicht fotogen gebaut bzw. gestaltet. In diesen Fällen muss jeder für sich selbst entscheiden, ob man das Foto trotzdem machen möchte. Ein Grund dafür könnte sein, weil es einfach eine lustige oder niedliche Situation ist. Eine weitere Option wäre, dass man das Gehege ein anderes Mal oder später noch einmal aufzusuchen.

Kölner Zoo – Erdmännchen / Suricata suricatta / Surikate

Strategie

Wenn man sich dazu entschließt, einen Zoo öfters besuchen, dann ist es oft ratsam sich auf ein paar Tiere zu konzentrieren. Viele Zoos sind sehr riesig und haben daher viele Tierarten in vielen Gehegen.

Eine einfache Rechnung: Hat ein Zoo beispielsweise 50 Gehege und bei jedem verbringt man mindestens 15 Minuten, so benötigt man schlussendlich 12,5 Stunden ohne Pausen, um alle Tiere zu sehen.

Möchte man dann noch bei speziellen Vorführungen wie Fütterungen dabei sein, muss man seine Zeit und die Wege zusätzlich koordinieren.

Deshalb wäre eine Strategie sich vorab zu informieren welche Tiere der Zoo besitzt. Oftmals ist dies auf der Homepage zu finden. Manchmal kann man sich auch gleich einen Wegplan von der downloaden. Spätestens aber vor Ort sollte man sich diesen mitnehmen. Fütterungen sind auch oft schon im Eingangsbereich des Zoos ausgewiesen.

Steht einem beispielsweise nur der Vormittag zur Verfügung oder man besucht den Zoo nach der Arbeit will die vorhandene Zeit effizient genützt werden. In diesem Fall sollte man sich auf ein paar Tiere konzentrieren. Und in dieser Zeit versucht man von diesen sehr gute Bilder mit nach Hause zu nehmen.

Dies kann man auch schon als eine Art Vorbereitung bzw. Training für eine etwaige spätere Wildlife-Fotografie sehen. Denn auch hier wird man sich auf spezielle Gebiete konzentrieren, wo man recherchiert hat, dass hier das eine oder andere Tier lebt.

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